Hallo liebe Ahnenforscher!

Die Erklärung des Namens "Wiedemann" ist nicht ganz so einfach wie man eigentlich denkt. Es ist allerdings doch merkwürdig, dass sich die Aussagen der verschiedenen Namenslexika widersprechen. Der Ursprung hat m.E. überhaupt nichts mit "Weide" oder "Waidmann" (also: Jäger) zu tun.
Im dtv-Atlas Namenskunde steht auf Seite 111:
Wittum: Schenkungen, die kirchlichen Einrichtungen "gewidmet" wurden, nannte man Wittum (mhd. widem), ihre Bewirtschafter Wittmer, Widmer, Wimmer, Wedemer, Wehmer, Wemmer, Wi(e)d(e)mann.
Im Buch "Vom Abbrändler zum Zentgraf - Wörterbuch zur Landesgeschichte und Heimatforschung in Bayern" ist dies auch sehr schön erklärt:
Widum Widdum, Wittum, Widem 1. zu einer Pfarrkirche gestiftete Gründe, Hof, der dem Unterhalt des Pfarrers dient und entweder vom Pfarrer selbst oder einem Meier (Widummeier, Wiedenmeier) bewirtschaftet oder an Dritte (Widumsbauer) verliehen wird; das zu einer Kirche gehörige Gut 2. vidualitio, Leibzucht, Brautgabe, zusätzliche oder während der Ehe vom Ehemann freiwillig für die Witwe auf deren Lebenszeit bestehender Nießbrauch (usufructus) an Vermögenswerten zur wirtschaftlichen Absicherung der Witwe (durch Nutzung, etwa Rentenbezug), haftet nicht für die Schulden des Mannes, der Nießbrauch tritt mit dem Tode des Mannes ein und ist unanhängig von der Rückgabe des Heiratsguts an die Witwe. das W. wird vielfach wie Leibrecht behandelt und daher auch Leibgeding (vitalitium) genannt.
Widumsbauer, Widembauer, Widmann, Wiedemann; das Widum bewirtschaftender Bauer
Den Punkt 2 darf man hier wohl getrost vernachlässigen.

Diese Namenserklärung deckt sich auch mit Ergebnissen und Gesprächen meiner Forschungen:
Nachzulesen in den Ausführungen von Prof. Dr. Jürgen Udolph und dem Familienforscher Larl Loy, Regierungsrat a.D. An dieser Stelle kommen wir zu einem sehr interssanten Thema: "Woher kamen die Wiedemänner?"

In dem Werk "Die Greifswalder Familiennamen des 13. und 14. Jahrhunderts - 1250 - 1400" von Dr. Hugo Nüske (Greifswald 1929) ist noch nicht einmal ansatzweise der Name Wiedemann erwähnt. In dem Buch "Die Altzellischen Wiedemänner" von Dr. Karl Steinmüller (Leipzig 1936) wird das Vorkommen der Wiedemänner in Sachsen und dem Vogtland beschrieben. Auch hier kommt der Autor eindeutig zum dem Schluss, dass der Name WIEDEMANN mit all seinen Abwandlungen aus dem bayerisch-schwäbischen Siedlungsgebiet herstammt.
Hier gab es die Wiedemänner ab schon vereinzelt vor 1500. Dies steht allerdings meiner Vermutung entgegen, dass sich die Familie im Zuge der GEGENREFORMATION ab ca. 1550 nach Norden ausbreitete. Andererseits wiederum bescheinigt Karl Sturm in seiner Dissertation "Die Familiennamen und die Bevölkerung der Insel Usedom bis 1700" (Greifswald 1920), dass es WIDEMANN seit 1550 auf der Insel gibt. Es scheint aber dennoch sehr sicher zu sein, dass der Namensursprung aus Bayerisch Schwaben kommt. Hier gibt es auch heute verbreitet die Bezeichnung "Wiedehof", wie mir der schwäbische Familienforscher Manfred Wegele telefonisch bestätigte.

Beschäftigt sich man nun auch einmal mit der Software GEOGEN von Christoph Stoepel, so erhärtet dies meine Aussagen kollossal. Von 7306 gemeldeten Telefonanschlüssen in Deutschland (2002) sind die allermeisten aus schwäbischen Kreisen Weißenburg - Gunzenhausen, Donau - Ries, Dillingen, Günzburg, Stadt- und Landkreis Augsburg, Ober-, Unter- und Ostallgäu inkl. Kaufbeuren und Landsberg am Lech. Eine annähernde relative Bevölkerungsdichte gibt es nur in Ostvorpommern (Greifswald, Anklam, Wolgast und die Insel Usedom).
Zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich Experten suche, die schon Erfahrung mit der Genforschung in Zusammenhang mit der Vorfahrensuche bzw. Verwandtschaftssuche (KEINE Vaterschaftsanerkennenung oder -ablehnung!!!) haben. Bitte meldet Euch bei mir. - Ich habe ehrlich gesagt keine Lust, viel Geld bei GENEA zu investieren, wenn das Ergebnis u.U. fragwürdig ist.

Ich bedanke mich für Eure Lesegeduld und wünsche gute Zusammenarbeit und viel Erfolg bei den persönlichen und gemeinschaftlichen Forschungen!

Ralf Wiedemann